Lebenslang lernen oder wer nicht mehr bereit ist zu lernen, kann auch nicht mehr lehren. So oder ähnlich lauten derzeit die Forderungen in unserer sich rasant entwickelnden Leistungsgesellschaft des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Die Larmoyanz über Lerndefizite der deutschen Schüler wird in gewissen Bereichen unserer Gesellschaft immer deutlicher artikuliert. Hier sind Lernende wie Lehrende gleichermaßen gefordert: Nicht der vollgepfropfte Kopf allein macht schon klug, sondern darüber hinaus ist der pragmatische Umgang mit dem erworbenen Wissen beim Lernen wesentlich. Gerade dies muss auch gelehrt werden. "Will man Beides erlangen, sollte man mehr Wert darauf legen, wie er (der Erzieher) das, was er weiß, in Handlung und Urteil umsetzt, als darauf, wieviel er weiß. Er soll sein Amt m o d e r n (Hervorhebung von mir) auffassen." 1
Wie begegnet die Tilemannschule dieser Situation?
Fest steht - so erfahre ich dieses Gymnasium seit meinem Dienstantritt, dem 01.10.2001 -, dass alle Schüler, Lehrer, Eltern und alle weiteren am Schulleben beteiligten Personen ein klar gestecktes Ziel anstreben: einerseits das Bewährte einer christlich-humanistisch geprägten Bildung beizubehalten, andererseits dieses weiterzuentwickeln, so dass einiges modifiziert wird und Neues hinzukommt. Schule ist Lern- und Lebensort. Also darf sie nicht verharren in Geschaffenem, sondern muss sich öffnen und verändern. In ihr sollen junge Menschen einen Lebensraum zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit und den notwendigen Freiraum für die Aneignung einer vertieften Bildung erhalten. "Das Wichtigste ist, Lust und Liebe zur Sache zu wecken; sonst erzieht man nur gelehrte Esel, und man erreicht nur, dass sie einen Sack voll totes Wissen, das ihnen eingeprügelt ist, mit sich herumtragen; aber man darf das Wissen, wenn es richtig wirken soll, nicht nur in sich anhäufen, es muss ganz unser Eigen werden." 2 In diesem Zitat wird das pädagogische Anliegen noch verdeutlicht.
Danken möchte ich an dieser Stelle der Homepage AG der Tilemannschule.
Für die Schulleitung
Regine Eiser-Müller
(Schulleiterin)
Die Zitate aus den Essays von Michel de Montaigne (1533-1592, französischer Philosoph und Politiker des Späthumanismus) entsprechen durchaus aktuellen Grundsätzen der Pädagogik. Ihr Alter zeugt von ihrer Wahrheit.
1) Michel de Montaigne, Die Essays, Reclam-Verlag, Stuttgart 1984, Seite 78
2) Id. Seite 97.