Neben der Schule studieren…?

Für viele Schüler ist das Abitur der Einstieg in das Hochschul- und Studentenleben - endlich keine Hausaufgaben mehr, man macht nur noch die Fächer, die Spaß machen, und das mit der Anwesenheitspflicht wird auch nicht mehr so genau genommen. Doch die Möglichkeit eines Studiums ist nicht auf die Zeit nach dem Abitur beschränkt: Interessierte Schüler können sich auch ohne Abitur an einer Fernuniversität einschreiben und sich an einem Studium parallel zur Schule versuchen. Von dieser Möglichkeit erfuhr ich in der 8. Klasse durch die Institut-für-Jugendmanagement-Stiftung aus Heidelberg. Diese Stiftung macht es sich zur Aufgabe, engagierte Schüler neben der Schule in ihren Interessensgebieten zu fördern und zu fordern. Damals entschloss ich mich kurzerhand ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der FernUniversität Hagen parallel zur Schule zu versuchen. In den darauffolgenden Jahren widmete ich mich neben dem normalen Schulalltag und anderen Hobbys meinem Studium: Ich besuchte regelmäßig Präsenzphasen, auf denen ich mit anderen Schülerstudenten lernen konnte und musste jedes Semester normale Universitätsklausuren ablegen. Die Unterstützung meiner Klassenlehrer und die Förderung der Tilemannschule erwiesen sich dabei als sehr wertvoll. Aus einem anfänglichen Interesse an dem Studium selbst entwickelte sich somit relativ schnell ein Interesse für das Fach Wirtschaft, sodass ich motiviert war, die zusätzliche Belastung und den Stress auszuhalten.

Mittlerweile bin ich nicht mehr in der 8. Klasse, sondern bin zusammen mit meinem Jahrgang in den finalen Zügen des Abiturs. Mein Studium konnte ich während der Q3 noch vor meinem Abitur erfolgreich abschließen. Das bedeutet, dass gleichzeitig mit meinem Abitur auch mein Bachelor im Bereich Wirtschaftswissenschaften anerkannt wird. Diese Leistung hat mich in den letzten Jahren viel Schweiß und schlaflose Nächte gekostet. Allerdings hat es auch unheimlich viel Spaß gemacht sich neben der Schule in ein Fach besonders vertiefen zu können. Deswegen sehe ich auch nicht sehr gute Schulnoten oder Langweile im Unterricht als Voraussetzung für ein Schülerstudium, sondern vielmehr Spaß am Lernen und Begeisterung für ein bestimmtes Fach. Ein Schülerstudium ist keine Aktivität, die Freizeit raubt und keinen Platz für andere Hobbys zulässt sondern stattdessen selbst ein Hobby, das zwar Engagement und Zeitmanagement benötigt, aber für viele Schüler gut machbar wäre. Während meines Studiums konnte ich viele Hobbys erfolgreich weiterführen: Ich habe nebenher Golf und Tischtennis gespielt, mich ehrenamtlich engagiert und viel Zeit mit Freunden verbracht. Zusätzlich dazu konnte ich durch das Schülerstudium neben dem Stoff und dem wissenschaftlichen Schreiben auch viele wichtige Qualifikationen lernen: selbstständiges Lernen, Zeitmanagement aber auch Disziplin und Teamwork beim Lernen mit anderen Schülerstudenten. Diese Eigenschaften haben auch meine Schulzeit sehr geprägt und werden sich weiterhin sicher als nützlich und wertvoll erweisen.

Ich möchte somit vor allem jüngere Schüler motivieren sich mit einem Studium auseinanderzusetzen und über die Möglichkeit, ein Fach neben der Schule zu studieren, nachzudenken. Die Tilemannschule bietet im Rahmen der Begabtenförderung auch Beratung für Schüler und Begleitung während der Förderung an. Man muss kein Nerd sein oder viel freie Zeit haben, sondern vielmehr Interesse haben, etwas Neues, Unkonventionelles auszuprobieren. Traut euch!

Limburg 07.05.2018, Georg Volk